Direct-to-Cell-Technologie

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In diesem Whitepaper erfahren Sie, wie Sie DTC-Satellitenkommunikation für Legacy-Geräte aktivieren können.

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Testen von Drahtloskommunikation | Direct-to-Cell-Technologie

Whitepaper | Direct-to-Cell-Satellitenkommunikation

Autor: Reiner Stuhlfauth, Technology Manager Drahtloskommunikation

Die Integration nicht-terrestrischer Netze (NTN) in die bestehende terrestrische Drahtlosinfrastruktur wurde rasant von einem Konzept in die kommerzielle Realität umgesetzt. Erste Anwendungen (wie satellitengestützte SMS in Notfällen) werden bereits erfolgreich eingesetzt, während der Umfang der NTN-Funktionen durch laufende Standardisierungsbemühungen und frühe Produktimplementierungen ständig erweitert wird.

Normungsgremien wie 3GPP haben mit Release 17 den Grundstein für die NTN-Integration gelegt und damit wichtige Spezifikationen zur Unterstützung von satellitengestützter Kommunikation eingeführt. Eine besonders wichtige Innovation ist das Konzept Direct-to-Cell (DTC), das die Satellitenanbindung für standardmäßige, nicht modifizierte Verbrauchergeräte ermöglicht. Durch die Nutzung bestehender 4G- und LTE-Technologien ermöglicht DTC eine rasche Diensteinführung, ohne dass die Benutzer neue Hardware benötigen.

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Einführung in nicht-terrestrische Netze (NTN)

Bei NTN gibt es aktuell vier unterschiedliche Konzepte, die jeweils einen anderen technologischen Entwicklungsansatz widerspiegeln.

  • Nicht-3GPP-Satellitenkommunikation: In der Frühphase hat die Zusammenarbeit zwischen Satellitennetzbetreibern, Geräteherstellern und Infrastrukturanbietern zu gezielten Verbesserungen bei Endgeräten (UE) geführt, um NTN-Dienste zu ermöglichen. Diese Modifikationen ermöglichen beispielsweise grundlegende satellitengestützte Notfall-Textnachrichten auf handelsüblichen Smartphones.
  • 5G-IoT-NTN: IoT-NTN wurde in Release 17 eingeführt und in späteren Releases weiterentwickelt. Es ermöglicht die satellitengestützte Anbindung für stromsparende Weitverkehrsanwendungen.
  • 5G-NR-NTN: Mit Release 17 hat 3GPP NTN formal in 5G New Radio (NR) aufgenommen. Dieser Ansatz bietet eine umfassende und zukunftsorientierte Lösung, gestützt durch weitere Verbesserungen in späteren Releases. Dazu sind Modifikationen sowohl auf Netzwerkebene als auch bei UEs erforderlich, deshalb ist dieser NTN-Ansatz mittel- bis langfristig ausgerichtet. Langfristig dürfte NR-NTN den Übergang zu 6G-Architekturen untermauern.
  • Direct-to-Cell-Kommunikation (DTC): DTC ist ein pragmatischer Ansatz bei der Einführung von NTN mit dem Ziel einer kurzen Markteinführungszeit. Im Gegensatz zu proprietären Lösungen nutzt DTC bestehende Mobilfunktechnologien wie LTE (EUTRAN) und in späteren Phasen 5G NR. Bei DTC stellen die Satelliten die Konnektivität mit standardmäßigen Endgeräten bereit, ohne dass die Hardware modifiziert werden muss. Zur Behebung von Problemen wie Ausbreitungsverzögerung, Dopplereffekten und Signalengpässen werden Kompensationsmechanismen hauptsächlich auf Netzwerkebene umgesetzt.

Direct-to-Cell-Technologie

DTC ist bei 3GPP kein formal standardisierter Begriff. Er beschreibt auch keine einzelne, einheitliche Technologie. Stattdessen bezeichnet DTC einen Ansatz, der darauf abzielt, für weit verbreitete, handelsübliche LTE-Geräte satellitengestützte Konnektivität zu ermöglichen, ohne dedizierte Hardware- oder Softwaremodifikationen zu erfordern. Das Ziel hierbei ist die Unterstützung grundlegender Kommunikationsdienste, wie etwa Messaging, Sprach- und einfacher Datenübertragung, in Gebieten ohne terrestrische Netzabdeckung.

Auf konzeptioneller Ebene nutzt DTC Satelliten, die mit erweiterten Modem-Funktionen ausgestattet sind und terrestrische Basisstationen im Orbit emulieren. DTC kann deshalb als pragmatische Lösung zum schnellen Einsatz angesehen werden, die gezielte Modifikationen (hauptsächlich auf der Netzwerkseite) zur Erweiterung der zellularen Konnektivität über Satelliten einführt.

In seiner aktuellen Form ist DTC eng an LTE-basierten Architekturen ausgerichtet und bietet so Satellitenanbindung für nicht modifizierte 4G-Geräte. Zukünftige Entwicklungen können eigenständige 5G-Netzwerke einbinden, diese würden jedoch zunächst nicht den vollen Funktionsumfang umfassen, der in 3GPP Release 17 für NTN definiert ist. Längerfristig wird erwartet, dass DTC vollständig durch NR-NTN-Lösungen ersetzt wird, die eine größere Effizienz und Skalierbarkeit bieten. Der primäre Vorteil von DTC liegt in seiner kurzen Markteinführungszeit, während die wesentlichen Einschränkungen auf technischen Grenzen beruhen, die die Gesamtleistung des Systems beeinträchtigen. Darüber hinaus bleibt die Frequenzzuweisung ein offenes Problem, wobei aktuelle Ansätze auf einer gemeinsamen Nutzung des Frequenzspektrums oder der Wiederverwendung bestehender mobiler Satellitendienstbänder (MSS-Bänder) beruhen.

DTC stützt sich nicht auf eine eigene technische Spezifikation. Es baut jedoch großteils auf dem 3GPP EUTRAN (LTE)-Framework auf, ergänzt durch proprietäre Anpassungen der Satellitennetzbetreiber. Diese Anpassungen sollen den satellitengestützten Funkzugang ermöglichen und gleichzeitig die Kompatibilität mit bestehenden UEs bewahren.

Eine wichtige architektonische Einschränkung von DTC ist aus Latenzgründen die Abhängigkeit von erdnahen Satellitenkonstellationen (LEO: Low Earth Orbit). Die Betreiber verfolgen unterschiedliche Einsatzstrategien, die von dichten, erdnäheren Konstellationen bis zu weniger dichten Konstellationen in größeren Höhen reichen. In einigen Implementierungen ist die herkömmliche LTE-Basisstationsfunktionalität (eNodeB) direkt in die Satelliten-Nutzlasten integriert. Dies ermöglicht die Anbindung von Standard-Smartphones unter Verwendung allgemein bekannter terrestrischer Protokolle. Der Verkehr wird dann entweder durch die terrestrische Infrastruktur oder über Links zwischen den Satelliten innerhalb der Konstellation geleitet.

Eine zentrale technische Herausforderung besteht darin, satellitenspezifische Beeinträchtigungen der Bitübertragungsschicht zu mindern, darunter Dopplerverschiebungen, Ausbreitungsverzögerungen und Polarisationseffekte. Bei standardisierten NTN-Ansätzen müssen sowohl das Endgerät als auch das Netzwerk diese Effekte kompensieren. Bei DTC wird diese Verantwortung jedoch hauptsächlich auf das Netzwerk verlagert. Dieses Auslegungskonzept bewahrt die Kompatibilität mit bestehenden Geräten, führt aber auch zu gewissen Effizienzeinbußen.

Aktuelle DTC-Ansätze zeichnen sich durch die folgenden technischen Aspekte aus:

  • Kompatibilität mit nicht modifizierten kommerziellen Geräten: Das System wurde so entwickelt, dass es eine satellitengestützte Zelle bereitstellt, die von einer terrestrischen LTE-Zelle nicht zu unterscheiden ist. Damit dies funktioniert, sind quasistationäre Strahlmuster von LEO-Satelliten und dichte Konstellationsanordnungen erforderlich.
  • Kompensation auf Netzwerkseite: Dopplereffekte werden durch Vorkompensationstechniken auf Basisstationsebene gemindert, üblicherweise mit einem terrestrischen Bezugspunkt. Gleichermaßen werden Ausbreitungsverzögerungen teilweise durch Netzwerkanpassungen kompensiert, da die LTE-Timing-Advance-Mechanismen allein bei Entfernungen im Satellitenmaßstab nicht ausreichen. Der Satellit führt eine Vorkompensation von Dopplereffekten im Downlink und eine Nachkompensation im Uplink durch, wodurch Offsets sowohl in der Trägerfrequenz als auch in der Abtastfrequenz beseitigt werden.
  • Überlegungen auf Geräteseite: Während DTC Modifikationen an Endgeräten vermeiden soll, können eingeschränkte Software-Updates von Anbietern eingesetzt werden, um die Leistung unter Satellitenbedingungen zu verbessern. Weitere Herausforderungen umfassen erhöhte Trägerfrequenz-Offsets und schnelle Frequenzschwankungen bei Handovers zwischen Satelliten.
  • Satellitenarchitektur: Lange Signallaufzeiten und Herausforderungen beim wahlfreien Zugriff (Random Access) beschränken die DTC-Architektur auf LEO-Konstellationen. Da der Satellit den Dopplereffekt kompensiert, muss die Strahl-Ausleuchtzone schmal sein, und für eine größere Kapazität muss der Satellit mehrere Strahlen parallel anbieten.
  • Frequenzspektrum: Global wurde DTC kein dediziertes Spektrum zugewiesen. Derzeitige Realisierungen nutzen entweder Frequenzspektren gemeinsam mit terrestrischen Netzen oder widmen bestehende MSS-Frequenzzuweisungen um, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung.
  • Netzarchitektur und Rollen: Das Kernnetz bleibt terrestrisch, wobei der Satellitennetzbetreiber als VPLMN (besuchtes öffentliches terrestrisches Mobilfunknetz) fungiert, während der terrestrische Mobilfunkbetreiber das Heimnetz (HPLMN) darstellt. Das HPLMN trägt auch die Verantwortung für das End-to-End-Service-Management, einschließlich Authentifizierung, Richtlinienkontrolle und regulatorischer Compliance.

Kurz gesagt stellt DTC eine Übergangslösung dar, die die bestehende LTE-Infrastruktur nutzt, um Satellitenkonnektivität mit minimalen Änderungen an Endgeräten bereitzustellen. Dieser Ansatz ermöglicht zwar eine rasche Einführung, unterstreicht aber auch die Grenzen der Anpassung terrestrischer Technologien an nicht-terrestrische Umgebungen ohne eine umfassende Standardisierung.

Tests und Messungen für Direct-to-Cell-Netzwerke

NTN führt zu einem grundlegenden Wandel bei Test- und Messverfahren. Bei herkömmlichen terrestrischen Systemen ist das UE mobil und die Netzwerkinfrastruktur bleibt weitgehend stationär. DTC-Szenarien unterscheiden sich hier deutlich: Mobilität ist auf beiden Seiten der Verbindung zu berücksichtigen, inklusive der sich rasch bewegenden Satelliten. Trotz dieses Unterschieds bleiben die Kernprinzipien für zuverlässige, präzise und wiederholbare Tests unverändert, auch wenn sich die Umsetzung deutlich komplexer gestaltet.

Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus dem Fehlen standardisierter Testverfahren, da DTC innerhalb von 3GPP nicht explizit spezifiziert ist. Stattdessen werden Testansätze aus LTE-Frameworks abgeleitet und um betreiberspezifische Anforderungen ergänzt. Folglich hängt eine wirksame Validierung von einer engen Zusammenarbeit zwischen Geräteanbietern, Mobilfunkbetreibern (MNO), Satellitennetzbetreibern (SNO) und Testgeräteanbietern ab, damit geeignete Methoden definiert werden können.

Funktechnisch müssen DTC-Tests unter Bedingungen durchgeführt werden, die sich wesentlich von denen terrestrischer Umgebungen unterscheiden. Dazu gehören:

  • Hohe Pfadverluste und schwache Signalpegel aufgrund großer Ausbreitungsdistanzen
  • Erweiterte Ausbreitungsverzögerungen, die die Zeitgebung und Synchronisation beeinflussen
  • Signifikante Doppler-Verschiebungen aufgrund der Satellitenbewegung
  • Dynamische Kanalbedingungen, einschließlich starker Schwankungen bei Satelliten-Handover

Neben terrestrischen Effekten wie Fading und Mehrwegeausbreitung werden Satellitenverbindungen auch durch atmosphärische Phänomene wie Polarisationsdrehung (Faraday-Effekt), Szintillation und wetterbedingte Dämpfung beeinflusst. Bestehende NTN-Kanalmodelle können angepasst werden, um realistische DTC-Testszenarien zu unterstützen.

Direct-to-Cell-Technologie

Whitepaper: Direct-to-Cell-Technologie: Ermöglichung der Satellitenanbindung für Legacy-Geräte

Dieses Whitepaper untersucht die technologischen Grundlagen und wichtigsten Überlegungen zur DTC-Konnektivität und erläutert, wie der Internetzugang für Endnutzer direkt durch Satellitenkommunikation erweitert werden kann. Das Whitepaper ist Teil einer Reihe von Publikationen zu NTN von Rohde & Schwarz und ergänzt bestehende Ressourcen zu Kerntechnologiekonzepten, Systemarchitekturen, Mobilität, Protokolldesign, Testmethoden und allgemeinen Prinzipien der Satellitenkommunikation.

Erfahren Sie, wie DTC-Satellitenkonnektivität für Legacy-Geräte aktiviert werden kann.

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